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Die Senftube

Die Senftube

Kreetrappers Reziblog
Januar
29

von Roger Leloup

Und wieder hat sich Carlsen einer Gesamtausgabe einer klassischen Comic-Reihe gewidmet. Diesmal diejenige um eine japanische Elektronikexpertin. Ungewöhnlich ist, daß die Ausgabe sich nicht an der ursprünglichen Erscheinungsreihe orientiert. Stattdessen möchte man thematisch zusammenghörige Abenteuer jeweils in einem Sammelband veröffentlichen. Diesmal also alle Geschichten, die in Deutschland spielen. Der Band ist sehr schön aufgemacht und enthält eine ganze Reihe Kommentare des Autoren zu den einzelnen Episoden. Lesenswert. 7/10

Januar
29

von diversen Künstlern

Im letzten Jahr hat das Lustige Taschenbuch, eine Institution auf dem deutschen Comic-Markt, seinen vierzigsten Geburtstag gefeiert. Zur Feier des Tages gab es vier fette Jubiläums-LTB mit den besten Geschichten aus vier Jahrzehnten. Dieser Band läßt selige Erinnerungen an die Zeit wach werden, als das Lustige Taschenbuch noch durchgehend qualitativ hochwertig war. Wie man an der Auswahl der Geschichten sieht, ist ein gewisser Romano Scarpa daran nicht ganz unschuldig, denn die besten Geschichten tragen sehr oft seinen Namen. Ein Grund mehr für mich, weiterhin vehement eine Werkausgabe zu fordern. Dies sind die Comics, mit denen ich meine Kindheit verbracht habe und so ist mir sofort aufgefallen, daß man sie aus irgendeinem für mich unverständlichen Grund neu übersetzt hat. Bei einer Geschichte in diesem Band ist wohl etwas beim Druck schief gelaufen (jedenfalls in meiner Ausgabe) und so ist hier der Inhalt sehr vieler Sprechblasen verrutscht oder fehlt. Davon abgesehen ist der Band aber natürlich trotzdem ein echtes Highlight. Besonders da er als Schmankerl eine bisher in Deutschland unveröffentlichte Scarpa-Geschichte enthält. 9/10

Januar
29

von Peter David und diversen Zeichnern

Ein weiterer Band, der Peter Davids erste Zeit als Autor von X-Factor wieder verfügbar macht. Nachdem Band 2 zu großen Teilen ein nerviges Crossover mit dem Hulk war, stehen hier wieder die eigentlichen Hauptdarsteller im Rampenlicht. Eine gute Gelegenheit für Leser der aktuellen X-Factor-Reihe, die ebenfalls von David geschrieben wird, etwas mehr über die Vergangenheit der Charaktere zu erfahren. 7/10

Januar
29

von Ed Brubaker und Sean Phillips

Nach dem hervorragenden Agenten-Thriller Sleeper hat sich dieses erfahrene Team nun komplett dem Noir-Genre verschrieben. Coward ist eine erstklassig erzählte und in Szene gesetzte Kriminalgeschichte. Schade ist nur, daß es das Zusatzmaterial der Heftausgaben nicht in diesen Sammelband geschafft hat. Empfehlenswert. 8/10

Januar
29

Ich muß zugeben, daß mich Eschbach nie mehr so begeistern konnte wie zudem mit dem Jesus-Video. Auch in diesem Buch, in dem jemand versucht das Nobelpreiskomitee zu bestechen, um seine Wunschkandidatin durchzudrücken, sieht man wieder die typischen Stärken und Schwächen des Autoren. Er hat eine ganze Menge sehr guter Ideen und ist ein guter - manchmal sogar exzellenter - Plotter. Leider bleibt die Sprache größtenteils farblos und die Versuche in die seelischen Tiefen der Charaktere einzudringen wirken auch sehr schablonenhaft. Dafür gibt es aber wieder eine Reihe wirklich überraschender Wendungen und einen sehr schönen unerwarteten Perspektivwechsel nach ca. einem Viertel des Buches. Gute Mainstreamunterhaltung. 7/10

Januar
29

von Cristophe Blain

Sex und Gewalt im Wilden Westen. Das ganze wirkt einerseits quasi-philosophisch und gesellschaftskritisch, hat aber irgendwie keinen rechten Punkt, finde ich. Enttäuschend. 3/10

Januar
29

von diversen Künstlern

Zum achtzigsten Geburtstag des überlebenden Asterix-Vaters haben sich eine Reihe namhafter Comic-Künstler gefunden, die ihm zu Ehren eine kurze Asterix-Geschichte gestaltet haben. Verständlicherweise liegt das Hauptgewicht auf Comic-Schaffenden aus dem frankobelgischen Raum, aber erfreulicherweise haben es auch Leute wie Stuat Immonen oder Vicar unter die Gratulanten geschafft, die eigentlich in einem ganz anderen Comic-Kulturkreis zuhause sind. Wie zu erwarten sind die Beiträge qualitativ und vor allem stilistisch sehr unterschiedlich, aber größtenteils sind sie durchaus lesenswert, wenn auch keiner darunter war, der bei mir Begeisterungsstürme ausgelöst hat. 6/10

Januar
29

von Geoff Johns und diversen Zeichnern

Standard Superheldenkost. Irgendwie gibt mir das DC-Universum nichts mehr. Ich glaube, es ist mal Zeit für eine vorübergehende Trennung. 5/10

Januar
29

von Geoff Johns und Dale Eaglesham

Ganz okay, aber die Geschichte setzt sich im nächsten JLA-Band fort. Und der enthält JLA # 10, das von den Leuten bei Comics Should Be Good ziemlich einhellig als atemberaubend schlecht bewertet wurde. Ich bin nicht sicher, ob es eine gute Idee ist, den zu lesen. Mal sehen. Außerdem ist der bodycount mal wieder unangenehm hoch. Wie so oft in den DC-Comics der letzten Zeit. Trotzdem noch 5/10

Januar
29

von Guy Deutscher

Dieses Buch hat es sich zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, woher eigentlich Sprache kommt. Da dies mit wissenschaftlichen Methoden geschieht, kann der Autor leider nicht bis zu den allerersten Anfängen zurückforschen, aber im letzten Kapitel des Buches legt er sehr schön dar, wie sich aus einem Stadium, das er mit dem griffigen Namen “Ich Tarzan”-Stadium bezeichnet, moderne Sprachen in all ihrer Komplexität entwickeln konnten. Die vorhergehenden Kapitel dienen der Schaffung der methodischen Grundlagen. So untersuchen wir gemeinsam mit Deutscher wie unterschiedlich Sprachen aufgebaut sein können und unter welchen Bedingungen sie sich wie verändern. Dabei streut er immer wieder Beispiele aus sehr exotischen Sprachen ein, die einerseits die Vielfalt sprachlicher Strukturen aufzeigen, andererseits aber auch fast immer die inhärenten Gemeinsamkeiten aller menschlichen Sprachen zum Vorschein bringen. Zur Illustration hier zwei kleine Beispiele, die Deutscher bringt.

Die Sprache, um die es geht ist Jemez, eine nordamerikanische Sprache der Kiowa-Familie, gesprochen von ca. 2000 Menschen in der Nähe von Albuquerque, NM.
Hier gibt es eine Endung -sh, die an Substantive angehängt wird um ihren Numerus zu ändern.

tyó	ein Mädchen		tyósh	(mehrere) Mädchen
séé	ein Adler		séésh	(mehrere) Adler
wéhų́	ein Skelett		wéhų́ 	Skelette

Wenn man diese drei Beispiele betrachtet, sieht es zuerst so aus als habe man es mit einer ganz normalen Pluralendung zu tun. Bei einer anderen Gruppe von Substantiven bewirkt dieselbe Endung allerdings etwas ganz anderes:

hhú		mindestens drei Zedern		hhúsh		ein oder zwei Zedern
hwúúy’a		mindestens drei Gräser		hwúúy’ash	ein oder zwei Gräser
káápœ		mindestens drei Zelte		káápœsh		ein oder zwei Zelte

Diese seltsame Verhalten der Endung scheint die Sprecher des Jemez verwirrt zu haben und so haben sie sich zum Ausgleich eine dritte Klasse von Substantiven gesucht, die sich beim Anhängen von -sh noch einmal anders verhält, und zwar so:

pá		eine oder wenigstens drei Blumen	pásh		zwei Blumen
dééde		ein oder mindestens drei Hemden		déédesh		zwei Hemden
géésu		ein oder mindestens drei Käse		géésush		zwei Käse

An einer anderen Stelle erläutert Deutscher ausführlich das Verbalsystem der semitischen Sprachen, die keine kontinuierlichen Verbstämme haben, so wie wir sie kennen. Vielmehr besteht der Stamm aus einer Reihe von Konsonanten (in der Regel drei). Die verschiedenen Tempora, Aspekte usw. werden jeweils durch eine Schablone repräsentiert, die Leerstellen für die Konsonanten des Stamms hat. So sieht die dritte Person Präsens im Arabischen so aus ya〇〇a〇u; und die dritte Person Präteritum so 〇a〇i〇a. Dies kann erstaunliche Effekte erzielen. Wir, die wir fest daran gewöhnt sind, daß der Stamm eine Einheit bildet, müssen selbst, wenn wir um dieses Muster des Arabischen wissen, dreimal hingucken um zu erkennen, daß z.B. die drei Wörter “Salām”, “Islam” und “Muslim” alle denselben Stamm haben, nämlich s-l-m.

Mit diesem Buch ist es Deutscher gelungen, ein populärwissenschaftliches Buch über Linguistik vorzulegen, das gleichzeitig die ungeheure Faszination der Struktur von Sprache(n) vermittelt und auch dem Uneingeweihten relativ leicht zugänglich ist. Ganz großes Kino. 9/10